Eine Zweiklassengesellschaft kennt eigentlich jeder – spätestens im Wartezimmer vom Arzt, wenn es heißt: Privatpatient geht vor Kassenpatient. Wer mehr zahlt bekommt auch mehr – zumindest gefühlt. Und eine solche Unterteilung gibt es auch auf einem der größten Marktplätze der Welt: Amazon. Jeder Händler wird hier grob in verschiedene Klassen eingeteilt:

  1. Die „normalen“ Marktplatz-Seller, die sich mit dem gleichen Produkt den Warenkorb mit direkten Konkurrenten teilen – also Drittprodukte verkaufen.
  2. Die Onlinehändler mit eigenen Produkte, die sie selbst herstellen (lassen) und außer ihnen niemand verkauft.
  3. Die Amazon-Vendoren, welche im Prinzip nur für die Warenbeschaffung sorgen und Amazon selbst als Verkäufer und Versender (FBA) auftritt.
  4. Händler mit einer eigenen Storefront, sprich die einen eigenen Markenshop auf Amazon besitzen und dort mit einer kurzen URL zu finden sind (amazon.de/sellerXYZ).
  5. Und die Amazon Platin Seller oder auch Platinum Verkäufer mit Platinum Produkten.

Um letztere soll es hier gehen – wir wollen einmal kurz erklären, was eine Platin Seller auf Amazon ist, denn oft findet man dazu nur halbgare und zum Teil auch falsche Informationen.

Amazon Platinum Schlüsselwörter / Keywords

Platinum Keywords Amazon Seller Central

Jeder, der auf Amazon als Händler verkauft, der wird in den Einstellungen seiner Produkte einmal über den Reiter „Schlüsselworte“ (in der Fachsprache auch „Keywords“ genannt) gestolpert sein. Klickt man darauf, offenbart sich eine Unterteilung: allgemeine Schlüsselwörter und Platinum Schlüsselwörter. Wo ist da der Unterschied, werden sich viele Fragen. Im ersten Moment möchte man doch eigentlich gleich die Amazon Platinum Schlüsselwörter befüllen – klingt irgendwie wertvoller, oder? Tatsächlich sind sie es auch, allerdings leider nur für bestimmte Händler. Für die meisten Amazon-Verkäufer kommen nur die allgemeinen Keywords in Frage, da nur diese für das Amazon Ranking mit einbezogen werden. Hier stehen 5 Zeilen an 50 Zeichen zur Verfügung, um noch einmal die wichtigsten Keywords und Produkteigenschaften unterzugringen, die vielleicht nicht in den Produkttitel oder die Bullet Points gepasst haben. Füllt man zusätzlich die Platinum Keywords aus, hat das absolut keine Auswirkung auf das Ranking – Amazon ignoriert diese Eingabe bei fast allen Händlern – es sei denn, man ist ein sogenannter „Platin-Seller“ oder „Platinum Verkäufer“.

Wie werde ich Platin / Platinum Seller auf Amazon?

In einschlägigen Foren kursieren die Gerüchte, die Platinum Schlüsselwörter seien nur ein Fake und es gibt keine Platin Seller auf Amazon. Nach unseren Informationen gibt es sie sehr wohl. Und wie man sich vorstellen kann, erfährt ein solcher Platinum Verkäufer bei Amazon eine gewisse Sonderbehandlung, vor allem was den eigenen Suchindex, bzw. die Sichtbarkeit in den Amazon-Suchergebnissen angeht, denn ein Platinum Schlüsselwort ist wertvoller, als ein allgemeines. Aber wie kommt man denn nun in den Genuss, ein Platin-Seller zu werden. Einfache Antwort: nur auf ausdrückliche Einladung von Amazon selbst. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  1. Mindestens 3 Jahre aktiver Verkäufer auf Amazon
  2. Hohes jährliches Verkaufsvolumen
  3. Hohe Kundenzufriedenheit / sehr gute Performance des Händlers
  4. Eigene Marke, bzw. eigene Produkte im Angebot

Mehr Informationen bekommt man leider nicht – wie man genau Amazon Platinum Verkäufer werden kann, wird von offizieller Seite nicht beschrieben. Allerdings ist davon auszugehen, dass dies nur ein sehr kleiner Kreis von Verkäufern ist. Entscheidend aber ist, dass man schon ein echter Big-Player sein sollte und sehr wahrscheinlich Hersteller eigener Produkte. Warum? Amazon ist bemüht, gut gehende (oft verkaufte) Produkte selbst zu führen und damit mehr (eigenen) Umsatz zu generieren. Ein 100%-Hersteller (also kein Relableling) wird allerdings nicht so einfach zu „kopieren“ sein – auch für Amazon nicht. Gerade wenn man eine traditionelle Marke mit großem Kundenvertrauen eignet und über ein sehr hohes Absatzvolumen verfügt (z.B. Samsung, Apple, Nivea, Samsonite usw.), ist Amazon natürlich daran interessiert, dass solche Seller noch erfolgreicher auf der eigenen Plattform verkaufen. Hier ist es gut vorstellbar, dass diese Big-Player eine exklusive Einladung zum Amazon-Platinum-Programm erhalten. Fragt man als „normaler“ Händler beim Amazon-Kundensupport an, so bekommt man schlicht die Antwort (sinngemäß), dass man weiter fleißig auf Amazon verkaufen soll und dann vielleicht irgendwann eingeladen wird. Das heißt für uns „normalsterbliche“ Onlinehändler: weiter fleißig die Produkte auf Amazon optimieren, größere Umsätze generieren und vielleicht irgendwann einmal in diesen elitären Platinum-Club eingeladen zu werden – naja, zumindest theoretisch.


Nachtrag, bzw. Korrektur (12.11.2015):

Dieser Artikel basiert auf Informationen auf diversen Sellerforen (u.a. Amazons eigenem Forum für Verkäufer). Nach Rücksprache mit glaubwürdigen Experten in diesem Bereich, stellt sich die Situation der Amazon Platinum Keywords doch etwas anders da, als erst vermutet. Einige größere Brands und sehr erfolgreiche Amazon-Verkäufer verfügen über eine eigene Store-Front, in der sie ihre Angebote unter einer kurzen und werbewirksamen URL sammeln können. Die Platinum Schlüsselwörter dienen offensichtlich nur für die Suche innerhalbe eben dieser Amazon-Store-Front und haben keinen Einfluss auf das Ranking in der „normale“ Produktsuche, sprich der Katalogseite des Marktplatzes. Fakt ist, das kaum ein Nutzer diese dezidierten Händlershops für sich durchsucht, sondern eher die globale Suche auf Amazon nutzt. Daher geht man Stand heute davon aus, dass die Platinum-Schlüsselworte wohl bald entfernt werden.