Ein Interview mit Christoph Prokes von FBA-hero.com über die Vor- und Nachteile des Amazon PAN EU Programmes, inkl. interessanten Einblicken in den Alltag von Steuervertretern und Sellern seit dem Wechsel auf PAN EU.

 Interviewthema: Amazon PAN EU

In unserem heutigen Shopdoc Interview befassen wir uns mit dem Thema PAN EU, das ja in letzter Zeit extrem durch Amazon beworben wird. Es vergeht kaum ein Tag an dem keine Email zur Lagerung in mehreren Ländern aufruft. Wir haben uns mal rein objektiv angesehen, für wen und ab wann es sich lohnt, diesen Schritt zu gehen. Für diese Analyse haben wir uns heute die Hilfe von Christoph geholt, der mit seinem Unternehmen FBA-hero.com als Steuervertreter für PAN EU Seller uns sicherlich ein paar gute Einblicke hinter die Kulissen geben kann.

Christoph Prokeš im Interview

Florian: Hi Christoph.

Christoph: Hi, Danke für die Einladung.

Florian: Mal direkt vorweg; Stell uns mal kurz die wichtigsten Eckpunkte des Amazon PAN EU Programmes vor.

Christoph: Nachdem die meisten sicher bereits wissen worum es dabei geht, mach ich ganz schnell: Das Amazon PAN EU Programm bietet Powersellers die Möglichkeit, seine FBA Waren in jedem Amazon Warenlager zu lagern. Das verkürzt die Lieferwege zum Kunden und die Gebühren, für den internen Warentransport, werden zur Gänze von Amazon übernommen. Unter https://goo.gl/6PzS3O gibts alles zum nachlesen.

Florian: Und, dass Amazon genau weiß wo der Kunde sitzt, darf man annehmen?

Christoph: Möchte man meinen. Aber auch Amazon lernt hier noch dazu. Man bekommt ja, über den Amazon Report, zu den Warenbewegungen einen ziemlich guten Einblick, wie die Waren zirkulieren. Da wird dann aber teilweise 1 Stück nach Spanien geschickt und am nächsten Tag wieder zurück. Also man findet durchaus kuriose Warenbewegungen, die sich rational nicht erklären lassen. Wir hatten mal einen “frequent traveler” der 5 EU Lager besucht hat.

Florian: Worin siehst du die größten Vorteile des PAN EU Programmes?

Christoph: Man ist ganz klar näher beim Kunden. Die Versandzeiten werden auf 1 bis 2 Tage gedrückt und das freut natürlich besonders den Käufer. Zudem sind auch die Shipping Fees geringer, da man nurmehr die lokalen Gebühren bezahlt.

Florian: Jetzt gibt es aber auch den großen Nachteil der Umsatzsteuer.

Christoph: Ja richtig. Das ist natürlich die größte Hemmschwelle für einen Seller. Eine umsatzsteurliche Registrierung in 7 EU Ländern ist immer eine Herausforderung, nicht nur für Amazon Seller sondern auch für die Behörden.

Florian: Inwiefern?

Christoph: Vor Amazon war es ganz selten, dass bspw. ein Einzelunternehmer mehrere Umsatzsteurnummern beantragt. Behörden sind zumeist auf große Gesellschaften ausgerichtet. Dh. alle Dokumente und Fragebögen die bei einer Beantragung von Umsatzsteurnummern anfallen sind eher auf diese Art von Antragsstellern ausgerichtet. Da passiert es oft genug, dass es zu vermeintlichen Pat-Situationen zwischen Behörde und Antragssteller kommt. Zu veranschaulichen, ein Beispiel: Wir haben einen US Kunden, der vorbildlich vor dem Beginn der ersten Warensendung nach Europa seine Umsatzsteuernummern beantragen wollte. Die Tschechischen Behörden haben den Antrag abgelehnt, da Sie davon ausgingen, dass jemand der sich in CZ registrieren will, auch bereits Verkäufe dort vorweisen müsse. Ein Henne-Ei Problem. Wir wurden also faktisch dazu gezwungen, verbotenerweise Ware dort zu lagern, bis wir einen tschechischen Kunden hatten, dessen Rechnung wir einrechen konnten.

Florian: Wenn man die Emails von Amazon ließt, die das PAN EU Programm bewerben, hört man ja oft von KPMG und Avalara als Dienstleister, die da sehr günstig ihre Dienste anbieten können. Was sind deine Erfahrungen?

Christoph: Natürlich bin ich durch meine eigene Tätigkeit etwas voreingenommen, aber grundsätzlich gilt zu sagen: Man sollte nicht an den falschen Stellen sparen. Besonders beim Thema Steuern kann sowas um ein Vielfaches wieder zurückkommen. Die Strafen der Behörden beginnen bei 100€ für kleinste Verspätungen (immer mal 7).

Jeder mit etwas Hausverstand und Ahnung über Amazon sollte wissen, warum es diese Angebote gibt: Amazon war noch nie ein großer Unterstützer von steuerlichen Regulierungen seiner Seller. Sie haben sich seit je her als Plattform gesehen, wo jeder selbst die Verantwortung für sein Handeln trägt. Seit dem der Druck vonseiten der Behörden größer wurde und Amazon ja auch selbst Vorteile aus dem PAN EU Programm zieht, mussten sie eine Lösung finden. Dabei ging es nicht darum, ob diese Lösung bequem, korrekt oder gut ist, sondern nur darum, günstig und Richtlinienkonform etwas anbieten zu können.

Florian: Ok, man hört schon raus, dass du kein Fan dieser Dienstleister bist.

Christoph: Nein. Die KPMG ist für mich kein Steuervertreter, das sind Berater. Da können einige unserer Kunden ein Lied davon singen (Frederik, wenn du das ließt — ich mein dich ?). Avalara ist als Dienstleister zumindest ein Spezialist für US Sales Tax. Ich habe allerdings den Vertrag, den man mit diesen Unternehmen abschließt, noch nicht gesehen. Man sollte da immer aufs Kleingedruckte achten.

Florian: Worauf sollte man bei der Auswahl seines Steuervertreters achten?

Christoph: Primär geht es mal darum, einen Beziehung aufzubauen. Ist diese Person für mich erreichbar, wie schätze ich sein Fachwissen ein und hat die Person eine grundlegende Ahnung von Amazon. Zudem sollte man vergleichen, was in den jeweiligen Angebote enthalten ist und wo das Beraterhonorar beginnt. Am wichtigsten aber ist die Frage: Wie müssen die Daten bereitsgestellt werden, denn das ist die eigentliche Arbeit. Wenn ein Unternehmen die Daten direkt aus Amazon entnimmt, wäre das perfekt, da es keinen zusätzlichen Aufwand für die Seller bedeutet.

Florian: Gibt es sonst noch steuerlich was zu beachten, wenn man sich für PAN EU entscheidet?

Christoph: Man sollte die Lieferschwellen im Auge haben und natürlich die Rechnungslegung in seinem eingenen Programm anpassen. (Wir suchen derzeit noch Tester für unsere automatisierte Rechnungssoftware. Shopdoc User können sich unter https://fba-hero.com/pre-registration-vat-software kostenlos vorab registrieren.)

Florian: Jetzt natürlich die gr0ße Frage: Wie wirkt sich die PAN EU Mitgliedschaft auf die Verkaufsdaten und Einnahmen eines Sellers aus?

Christoph: Die Frage haben wir uns auch gestellt. Glücklicherweise sitzen wir ja mit unseren Kundendaten an der Quelle und bekommen so auch Einblicke, die sonst nur Amazon hat.(Wir wollen Ende des Jahres einen genaueren Report mit Vergleichswerten veröffentlichen.) Wenn ich die Verkaufsdaten einiger Seller heranziehe, die wir vom “1 Land Seller”, über die Polen/Tschechien Lagerung, bis zum PAN EU Seller begleiten durften, dann merkt man schon deutlich, dass Amazon hier seine Finger im Spiel hat. Natürlich optimieren unsere Kunden ständig ihre Angebote und auch die Preise schwanken, aber im Durschnitt konnten wir um die 10% mehr Bestellungen feststellen. Das liegt zum einen an den Prime Vorteilen der Kunden, aber auch an einer (so meine Meinung) Bevorzugung durch Amazon. Ich vergleiche das immer mit FBA und FBM. Es steht nirgends, dass FBA Seller durch Amazon bevorzugt werden, aber faktisch ist das jedem bewusst. Es macht auch einfach Sinn, denn auch Amazon spart durch die kürzeren Lieferwege viel Geld.

Florian: Für wen ist PAN EU etwas und für wen nicht?

Christoph: Jeder der ernsthaft mit dem Thema zutun hat, wird früher oder später Amazon PAN EU Seller. Die Frage ist also eher WANN und nicht ob. Wer Amazon hobbymäßig betreibt, was ja durchaus ein schönes Hobby bleiben darf, braucht sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen.

Florian: Abschließend noch eine reine Interessensfrage von mir. Wieviele Umsatzsteuernummern hat euer größter Kunde?

Christoph: Was glaubst?

Florian: Keine Ahnung? 7 Länder und 3–4 Lieferschwellen. 10?

Christoph: 28. Inkl. Lichtenstein und Luxemburg. Das schaffen aber nur die wenigsten ?

Für weitere Fragen und Feedback zu diesem Interview steht euch Christoph unter https://fba-hero.com/free-consultancy/ zur Verfügung.